Zu den Schattenorten von Wien

160 Seiten, 13,5 x 21 cm
mit zahlreichen, teils vierfarbigen Abb.
Gebunden mit Schutzumschlag und Lesebändchen, € 19,90  

Erscheinungsdatum: 
31.08.2011
ISBN: 
978-3-99300-055-4

Obdachlosenheim. Sondermüllverbrennung. Krematorium. Orte und Institutionen, von denen jeder weiß und spricht, ohne dass er so genau wüsste, was wirklich dort vorgeht. Scheu oder auch Abscheu, die wir mit diesen Orten verbinden, lassen uns wegschauen – und erzeugen eine Aura des Mysteriösen, Geheimnisvollen, die unsere Fantasie befeuert. Jeder von uns verbindet Vorstellungen mit diesen Orten, entwickelt Bilder dafür. Der Text-Bild-Band von Wolfgang Freitag setzt diesen Vorstellungen und Bildern die Wirklichkeit von 15 wahrhaftigen solchen Orten entgegen. Wer lebt und wie lebt wer in einem Obdachlosenheim? Was ist Sondermüll – und wie wird er beseitigt (oder auch nicht)? Was genau geschieht in einem Krematorium? Das Buch will weit verbreitete Mythen entmystifizieren und an ihre Stelle jene Eindringlichkeit setzen, die nur der Alltag für uns bereithält: Sofern wir bereit sind, genau genug hinzusehen.  

»An Reiseführern, die uns das prächtige Wien des Barock, das abgründige des Fin de Siècle, das umkämpfte der Moderne zeigen, herrscht wahrlich kein Mangel. Der 1958 geborene Publizist Wolfgang Freitag hat nun vierzehn Lokalitäten in der österreichischen Hauptstadt aufgesucht, auf die das Licht der touristischen Aufmerksamkeit nicht zu fallen pflegt. Seine urbane Erkundung führt «Zu den Schattenorten von Wien», ins Pathologische Institut des Donauspitals oder zum Krematorium auf dem riesigen Zentralfriedhof, ins Obdachlosenheim und Frauenhaus. Freitags Sozialreportagen sind wohlrecherchiert und gewinnen durch die Begabung des Autors, interessante Gesprächspartner zu finden und zu bewegen, unverblümt zu sagen, was sie meinen. Er nutzt diese Fähigkeit aber nicht aus und stellt selbst jene nicht bloss, deren Sprache verrät, dass ihnen das Schicksal der Menschen zur bürokratischen Angelegenheit geworden ist. (...)«
(Karl-Markus Gauß, NEUE ZÜRCHER ZEITUNG)